Tanja George: Filmemacherin, Bildhauerin und Bewahrerin eines künstlerischen Erbes

Admin
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Wer nach Tanja George sucht, stößt meist zuerst auf den Namen ihres Vaters: Götz George. Doch die in Wien geborene und in Deutschland aufgewachsene Künstlerin hat eine eigene internationale Laufbahn aufgebaut. Nach journalistischer Arbeit zog sie 1989 nach Australien, studierte Film und bildende Kunst, realisierte Kurzfilme und konzentrierte sich später auf Skulpturen. In Melbourne entwickelte sie Arbeiten aus Bronze, Edelstahl, Fundstücken und industriellen Bauteilen. Zugleich verbindet sie ihre Kunst mit dem Familienerbe: Sie war 2017 Mitstifterin der Götz George Stiftung und entwarf deren Ehrenpreis. Dieses Porträt ordnet ihren Weg, ihre Filme, Ausstellungen und ihre Stiftungsarbeit anhand belastbarer Originalquellen ein.

Tanja George im Überblick

MerkmalAngabe
NameTanja George
GeburtsortWien, Österreich
AufgewachsenDeutschland
ElternGötz George und Loni von Friedl
TätigkeitenBildhauerin, Filmemacherin, zuvor Journalistin
Umzug nach Australien1989
AusbildungBachelor of Film and Television, Victorian College of the Arts, 1995
Künstlerischer SchwerpunktSkulpturen aus Bronze, Metall, Fundstücken und Alltagsgegenständen
Bekannte VerbindungMitstifterin der Götz George Stiftung und Gestalterin des Götz George Preises

Wer ist Tanja George?

Tanja George ist eine österreichisch-deutsch geprägte Filmemacherin und bildende Künstlerin, deren beruflicher Weg eng mit Australien verbunden ist. Sie wurde in Wien geboren und wuchs in Deutschland auf. Der NDR nennt sie als gemeinsame Tochter des Schauspielers Götz George und der österreichischen Schauspielerin Loni von Friedl. Ihre Eltern waren von 1966 bis 1976 verheiratet.

Vor dem Wechsel in die Kunst- und Filmwelt arbeitete George nach ihrer eigenen Künstlerbiografie als Journalistin für das Magazin Esquire. 1989 übersiedelte sie nach Australien. Dort beschäftigte sie sich mit Fotografie, Malerei, Film und Skulptur. Am Victorian College of the Arts schloss sie 1995 ihr Studium mit einem Bachelor of Film and Television ab.

Damit verlief ihre Karriere nicht einfach entlang der deutschen Schauspieltradition ihrer Familie. Sie wechselte das Land, wählte zunächst die Arbeit hinter der Kamera und entwickelte anschließend eine eigenständige bildhauerische Praxis.

Die Jahre als Filmemacherin

Tanja George übernahm bei ihren Kurzfilmen häufig mehrere Aufgaben. Sie schrieb Drehbücher, führte Regie und arbeitete je nach Produktion auch als Produzentin oder Editorin. Die australische Filmförderinstitution Screen Australia führt mehrere ihrer Arbeiten in ihrem offiziellen Screen Guide.

„Kiss Me“

Die zweiminütige Komödie Kiss Me wurde 1991 fertiggestellt. Screen Australia beschreibt den Film als humorvollen Kommentar über sexuelle Anziehung. George war Autorin, Regisseurin und Produzentin des Kurzfilms.

„Rosa L“

Der zwölfminütige Kurzfilm Rosa L spielt im Berlin des Winters 1919. Im Mittelpunkt stehen der Mord an einer Frau, die Umstände ihres Todes und eine politische Intrige. Tanja George zeichnete als Regisseurin und Drehbuchautorin verantwortlich. Der Film entstand im Umfeld der Film- und Fernsehschule des Victorian College of the Arts.

„Wicked Women“

Wicked Women wurde 1995 abgeschlossen und erzählt von drei Frauen aus unterschiedlichen Jahrhunderten, die sich von gesellschaftlichen Erwartungen an Karriere, Ehe und Schönheit lösen. Bei dem 16-minütigen Film arbeitete George als Regisseurin, Autorin, Editorin und Co-Produzentin.

Der Kurzfilm wurde 1998 beim Créteil International Women’s Film Festival sowie beim Frameline Film Festival in San Francisco gezeigt. Diese Festivalstationen sind im Screen Guide von Screen Australia dokumentiert.

Zu ihren dokumentarischen Arbeiten gehört außerdem Death and Passion, das in Spanien gedreht wurde. Für eine deutsche Fernsehproduktion reiste sie nach eigener Darstellung rund 9.000 Kilometer durch Australien und führte bei einer Reisedokumentation Regie.

Der Wechsel zur Bildhauerei

Nach ihrer Arbeit beim Film rückte die Skulptur in den Mittelpunkt. George verwendet Bronze, Edelstahl, mechanische Komponenten, Fotografien, Verpackungsmaterialien und gewöhnliche Gebrauchsgegenstände. Charakteristisch ist die Versetzung funktionaler Objekte in neue Zusammenhänge.

Ihre Kunst soll nach ihrer eigenen Beschreibung keine fertigen Antworten liefern. Stattdessen beschäftigt sie sich mit dem Universum, dem Verhältnis des Menschen zu seiner Umgebung und grundlegenden Fragen der menschlichen Natur. Diese Haltung erklärt, weshalb technische Bauteile, organische Formen und alltägliche Materialien in ihren Arbeiten nebeneinanderstehen können.

Zu ihren dokumentierten Einzelausstellungen zählen Descartes in der Lancaster Press Gallery 2007, Metropolis in der Yarra Sculpture Gallery 2015, Journey // Zehn in der Angela Robarts-Bird Gallery 2017 und Solar in der Yarra Sculpture Gallery 2021.

Auch mehrere Auszeichnungen und Auftragsarbeiten sind in ihrer Künstlerbiografie aufgeführt. 2007 gewann sie den ersten Preis beim INSPIRED Art Prize in Melbourne. Bei der Ausstellung Bonanza erhielt sie 2014 den Art Almanac Prize, 2015 folgte der Curator’s Choice Award bei From Nature. Für das Park Hyatt Sydney schuf sie einen Auftrag aus 16 Bronzeskulpturen.

Ausgewählte Stationen

JahrStation
1989Umzug nach Australien
1991Kurzfilm Kiss Me
1994Kurzfilm Rosa L
1995Studienabschluss und Fertigstellung von Wicked Women
2007Einzelausstellung Descartes und erster Preis beim INSPIRED Art Prize
2015Einzelausstellung Metropolis und Curator’s Choice Award
2017Ausstellung Journey // Zehn und Mitgründung der Götz George Stiftung
2018Erster Götz George Preis mit einer von Tanja George gefertigten Skulptur
2021Einzelausstellung Solar in Melbourne
2025Von George gestaltete Preisskulptur für Judy Winter

Tanja George und die Götz George Stiftung

2017 gründeten Marika George und Tanja George die Götz George Stiftung. Das offizielle Stiftungsimpressum führt beide ausdrücklich als Stifterinnen. Die rechtsfähige, gemeinnützige Stiftung hat ihren Sitz in Berlin und widmet sich der Würdigung und Unterstützung von Schauspielerinnen und Schauspielern.

Tanja Georges sichtbarster künstlerischer Beitrag ist die Skulptur des Götz George Preises. Sie entwarf den Ehrenpreis und fertigt ihn von Hand. Die Form nimmt die schwungvolle Unterschrift ihres Vaters auf. In der Kombination dieser weichen Linie mit Edelstahl sah die Künstlerin Eigenschaften, die sie mit Götz George verband: Sensibilität und Verspieltheit auf der einen, Stärke und Geradlinigkeit auf der anderen Seite.

„Der wunderschöne Schriftzug von Götz hat auf der einen Seite eine Stärke, aber auch eine Verspieltheit.“ — Tanja George bei der ersten Verleihung des Götz George Preises 2018

Der Preis ist ein jährlich neu gefertigtes Unikat und mit 10.000 Euro dotiert. Die erste Auszeichnung ging 2018 an Karin Baal. Spätere Preisträger waren unter anderem Margit Carstensen, Peter Striebeck, Gudrun Ritter, Matthias Habich, Angela Winkler und Michael Mendl. Im November 2025 erhielt Judy Winter den Ehrenpreis; auch ihre Preisskulptur stammte von Tanja George.

Häufig gestellte Fragen zu Tanja George

Ist Tanja George die Tochter von Götz George?

Ja. Tanja George ist die gemeinsame Tochter des deutschen Schauspielers Götz George und der österreichischen Schauspielerin Loni von Friedl. Der NDR dokumentiert die Familienzugehörigkeit in einem biografischen Porträt über Götz George.

Was macht Tanja George beruflich?

Sie arbeitet als Bildhauerin und war zuvor als Journalistin und Filmemacherin tätig. Ihre bildhauerischen Arbeiten verbinden klassische Werkstoffe wie Bronze mit industriellen Bauteilen, Fotografien und Fundstücken.

Wo lebt Tanja George?

Ihre berufliche Biografie ist seit dem Umzug 1989 eng mit Australien verbunden. Ein großer Teil ihrer Ausstellungen, Auszeichnungen und künstlerischen Arbeit ist in Melbourne verortet.

Welche Filme hat Tanja George gedreht?

Zu ihren dokumentierten Kurzfilmen gehören Kiss Me, Rosa L und Wicked Women. Außerdem realisierte sie die Fernsehdokumentation Death and Passion in Spanien und eine Reisedokumentation über Australien für das deutsche Fernsehen.

Welche Rolle spielt sie beim Götz George Preis?

Tanja George entwarf die Preisskulptur nach der Handschrift ihres Vaters. Sie fertigt den Ehrenpreis als künstlerisches Unikat. Zudem gehört sie neben Marika George zu den beiden Stifterinnen der 2017 gegründeten Götz George Stiftung.

Fazit

Tanja George hat sich zwischen Deutschland und Australien eine vielseitige Laufbahn aufgebaut. Ihre Kurzfilme zeigen ihre frühe Arbeit als Autorin und Regisseurin, während ihre Skulpturen von einem experimentellen Umgang mit Material und Bedeutung geprägt sind. Mit der Gestaltung des Götz George Preises verbindet sie schließlich ihre eigene künstlerische Sprache mit dem Andenken an ihren Vater.

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